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Oldtimer überwintern

Gepflegter Motorraum unseres Mercedes Benz 560SL (R107)
Gepflegter Motorraum unseres Mercedes Benz 560SL (R107)

Viele unserer Kunden fragen uns, wie Sie Ihren Oldtimer richtig durch die Wintermonate bringen. Wir verraten Ihnen, wie wir das machen und geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie Ihr Schätzchen heil durch die kalte Jahreszeit bringen. Dabei braucht es keine Wundermittel. Es kann so einfach sein, wenn Sie nur ein paar Dinge beachten.

 

Gemeinsam haben wir für Sie Ihren Klassiker gefunden und nach einem langen Sommer kommen dann auch schon die kalten Monate, in denen Sie Ihren Oldtimer nicht unbedingt fahren möchten. Hierzu haben wir Ihnen wertvolle Tipps zusammengestellt:


Achten Sie auf eine Ruheversicherung, wenn Sie ein Saisonkennzeichen haben.
Achten Sie auf eine Ruheversicherung, wenn Sie ein Saisonkennzeichen haben.

Ruheversicherung bei Saisonfahrzeugen: Besonders wenn Sie ein Saisonkennzeichen wählen, sollten Sie darauf achten, dass Ihre Versicherung als "Ruheversicherung" weiterläuft. Eventuell stellen Sie Ihr Fahrzeug in fremden Hallen  oder Garagen unter, die keine zusätzlichen Versicherungen haben. So wäre Ihr Fahrzeug im Falle eines Brandes, Wasserschadens oder eines Einbruches in der Halle nicht abgesichert! Sprechen Sie am besten schon bei Versicherungsabschluss mit Ihrem Berater und sparen Sie nicht am falschen Ende.

Sie sollten Ihr Auto vor dem Winter und damit vor den kalten Temperaturen bereits waschen und von Schmutz, Teer, etc. befreien. Viele Hersteller bieten schon Trockenwaschsprays für den Lack an, sodass sich kein Wasser in den Hohlräumen, an die Sie nicht hinkommen, ansammeln kann.

Zur Pflege beim Auto gehört auch der Innenraum. Besonders das Leder will ständig gefettet werden. Davor muss aber auch der Schmutz vom Leder entfernt werden. Bei Cabriolets ist das besonders wichtig, da ständig Schmutz an die Ausstattung kommt. Für die Lederreinigung benutzen wir fast ausschließlich Seifenwasser in sehr niedriger Konzentration, da wir das Leder ja nicht entfetten wollen. Danach nutzen wir gängige Lederpflegemittel, um dem Leder wieder seinen Glanz und seine Geschmeidigkeit zurückzugeben. So können Sie auch das Interieur über Jahrzehnte erhalten.

Reinigung vor der Abdeckung ist wichtig!
Reinigung vor der Abdeckung ist wichtig!

Da das Fahrzeug über Monate steht, empfiehlt es sich dieses auch mit weichen Materialien abzudecken. Hier bieten viele Hersteller auf dem Markt Faltgaragen (Textilabdeckungen) an. Wenn Sie nun falsch vorgearbeitet haben und das Auto nicht gereinigt haben, haben Sie feinste Schmutzpartikel, die Sie beim Aufsetzen der Abdeckungen dann in den Lack einarbeiten.

 

Frostschutzmittel in Kühler und Scheibenwaschanlage: Falls Ihr Fahrzeug in einer kalten Umgebung oder gar draußen unter einer Abdeckhaube den Winter verbringen muss, stellen Sie sicher, dass die Flüssigkeiten nicht einfrieren können. Das erreichen Sie mit Hilfe von Frostschutzmitteln. Wenn Sie dies nicht tun, werden Ihre Leitungen, Kühler oder Behälter reißen, wenn die Flüssigkeiten einfrieren. Das kann sehr teuer werden.


Vermeiden Sie es Kurzstrecken oder gar kurze Zeit das Auto laufen zu lassen. Nach drei bis fünf Monaten bekommt kein Auto Standschäden. Im Gegenteil: Wenn Ihr Auto noch nicht einmal auf Betriebstemperatur kommt (und damit ist nicht nur die Wasser- oder Öltemperatur gemeint), bildet sich Kondenswasser an den verschiedensten Stellen und das ist wiederum nicht so toll.

 

Der Reifendruck sollte nicht zu klein sein, um Standplatten zu vermeiden.
Der Reifendruck sollte nicht zu klein sein, um Standplatten zu vermeiden.

Reifendruck erhöhen: Hier geben wir bei den meisten Reifen bis zu vier bar Druck drauf, um Standplatten zu vermeiden. Auch hilft es, wenn Sie das Fahrzeug auch mal einen halben Meter vor oder zurück bewegen (alle zwei bis drei Wochen), damit der Reifen immer an einer anderen Stelle belastet wird. So lassen sich am besten die sogenannten "Standplatten" vermeiden.

 

Besonders ältere Fahrzeuge haben Metalltanks. Das heißt, dass diese bestenfalls vollgetankt abgestellt werden sollten. Ansonsten kann auch hier über längere Zeit Rost im Tank entstehen.

 

Alle Kunststoffteile, vor allem Elastomere, wie Gummi verlieren über die Jahre die bei der Produktion zugesetzten Weichmacher. Sämtliche Gummiteile, wie Türdichtungen, Verdeckdichtungen und Gummizierteile sollten daher mit speziellen Gummipflegemittel behandelt werden. Die Teile sollten davor aber gut gereinigt werden. So erreichen Sie zum Einen eine Farbauffrischung und zum Anderen halten die Gummiteile länger, da Sie wieder weich und geschmeidig werden.

Batterie Erhaltungs-Ladegeräte lohnen sich!
Batterie Erhaltungs-Ladegeräte lohnen sich!

Die Batterie bedarf einer besonderen Pflege: Diese sollte komplett ausgebaut werden. Dies empfiehlt sich allerdings nur bei älteren Fahrzeugen ohne Bussystemen oder Steuergeräten, die teilweise ständig Spannung benötigen! Informieren Sie sich deshalb im Voraus darüber. Die Batterie mag keine kälteren Temperaturen und sollte, wenn möglich an einen wärmeren Ort gelagert werden. Eine einfachere Variante ist es, mit einem Erhaltungs-Ladegerät zu arbeiten. Neuere, etwas preisintensivere Geräte können sogar Lade- und Entlade-Zyklen abbilden und so der Batterie eine längere Lebensdauer bereiten. So sind Haltbarkeiten über 10 Jahre keine Seltenheit mehr. Das freut nicht nur den Geldbeutel, sondern lässt das Fahrzeug auch im Frühjahr wieder verlässlich anspringen.

Zum Schluss:

Parken Sie Ihren Oldtimer wenn möglich in einer beheizten und nicht feuchten Halle oder Garage.

Scheibenwischer sollten Sie entlasten und daher abheben.
Türen, Scheiben, Hauben und Verdeck, wenn möglich nicht ganz schliessen, um Bauteile zu entlasten.

Außerdem für ausreichende Belüftung des Innenraums sorgen, sodass Sie im Frühjahr in kein modrig riechendes Fahrzeug steigen. Luftentfeuchter und eventuell ein Kaffeepad (Kaffee neutralisiert Gerüche) im Innenraum platzieren.
Bei Cabriolets das Verdeck auf keinen Fall ganz öffnen, sonst bilden sich Falten im Verdeck und es kann zu Feuchtigkeit im Verdeckkasten kommen.
Das Fahrzeug kann zur Entlastung leicht angehoben werden. Nicht komplett, da es sonst auch bei langfristiger Lagerung zu Verwindung der Karosserie kommen kann.


Wichtig: Jeden Tag das Auto besuchen, sanft streicheln, jedoch Winterschlaf halten lassen und sich auf das Frühjahr freuen 😊

 

 

Falls Sie Ihren Oldtimer dennoch im Winter bewegen wollen, hier noch ein paar kleine Tipps:

 

  • Salz schädigt das Auto: Wenn Sie das Auto waschen, empfiehlt es sich nur kaltes Wasser zu nehmen. Meiden Sie Waschanlagen. Diese sind zumeist in den Wintermonaten stark mit dem Salz kontaminiert. Das bedeutet, dass Sie Ihrem Auto ein schönes Solebad bereiten. Das wollen wir doch nicht, oder?
  • Chromteile sollten vorab gut gepflegt werden. Einmal vom Salz unterwandert, lassen sie sich nicht mehr retten. Wir alle wissen, was es kostet Teile neu zu verchromen oder neu bestellen zu müssen.
  • Wenn Sie ein Cabrio, wie den SL im Winter bewegen möchten, nutzten Sie das Hardtop, welches meist serienmäßig mitgeliefert wurde. Dies verhindert, dass die PVC-Scheiben und das Verdeck nicht so sehr in Mitleidenschaft gezogen werden. Praxistipp: Niemals das Verdeck bei kalten Temperaturen öffnen oder schließen. Das kann zu Rissen in den PVC-Scheiben führen! Montieren Sie das Hardtop deshalb bei warmen Temperaturen, nicht unter 15°C und falten Sie es anständig, bevor Sie das Hardtop aufsetzen. Ein Stoffverdeck ist am Liebsten gespannt und verliert so auch seine Form nicht. Das heißt, dass Sie auch im Sommer nach jeder Ausfahrt das Verdeck wieder schließen sollten.
  • Vorsorge ist besser als die darauffolgende Pflege: Daher wachsen Sie Ihr Fahrzeug schon vor dem ersten Frost ein, sodass Sie dem ersten Salzkontakt besonnen entgegen fahren können.
  • Generell ist die Rostvorsorge bei den alten Fahrzeugen ab Werk noch nicht so gut gewesen. Sie sollten also sowieso danach schauen. Hohlraumkonservierung, Wachs, Versiegelung, etc. sollte Ihnen kein Fremdwort sein. Ansonsten werden Sie nicht lange Spass an Ihrem Klassiker haben. Der Weg zum Karosseriebauer ist dann meist nicht so weit entfernt und kann teuer werden.

Haben Sie noch weitere hilfreiche Tipps für die Überwinterung Ihres Oldtimers? Lassen Sie es uns wissen! Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

 

Diese Anleitung dient dazu Ihren Oldtimer winterfit zu machen. Keinesfalls haften wir für Fehlanwendung und Schäden, die an Ihrem Fahrzeug entstehen können. Aufgrund von vielen unterschiedlichen Materialien können auch andere Methoden Sinn machen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter Waldschütz 782 (Donnerstag, 20 August 2020 20:05)

    Perfekte Anleitung